JUN 07. 2005

freibesetzt - Kunsthalle Exnergasse/WUK 29. Juni bis 23. Juli 2005

Im Grunde geht es um den Bedarf und die Schaffung von RAUM — als Terrain für die aus den unterschiedlichsten Gründen entstehende Notwendigkeit, sich dem Diktat von "wirtschaftlicher Rentabilität" zu entziehen und abseits fortschreitender gesellschaftlicher Normalisierungsprozesse und Hierarchien zu leben, zu arbeiten, oder soziale und kulturelle Netzwerke aufzubauen. Politischer Widerstand erhebt in einer Demokratie–so sie tatsächlich gelebt werden soll/darf–den Anspruch auf die notwendigen Räume und Strukturen zu dessen Artikulation, und um konstruktive Alternativen andenken und zumindest im Experiment umsetzen zu können.

(Kultur)historische, soziale, kulturelle und künstlerische Aspekte dieses Themas (oder Zustands) sollen durch die persönliche Perspektive und Praxis von diversen österreichischen und niederländischen Personen und Initiativen auseinandergesetzt werden.

Die gegenwärtige Krisensituation von hiesigen Freiräumen (physischer und struktureller) und deren Verfechtern, so unterschiedlich wie das Ernst-Kirchweger-Haus, die Gruppe Freiraum (Unicampus Gelände), das Studentencafé Tüwi oder ( ex-Public) Netbase und deren Vernetzung (wie in der Initiative "Neue Liegenschaftsverwaltung") ist ein deutliches Signal dafür, dass sich das Thema im öffentlichen Diskurs nun nicht mehr so einfach in die Schublade "linksradikale Randgruppe" zwängen lässt.

Die Einbindung niederländischer TeilnehmerInnen erscheint uns hier deshalb interessant und wichtig, weil hier seit den späten 60er Jahren (mit dem Einsetzen der kraakbeweging, in etwa: Hausbesetzerbewegung) bis heute kontinuierlich eine Auseinandersetzung mit der Freiraum-Thematik stattfindet. Diese wird auf unterschiedlichsten gesellschaftlichen Ebenen ausgetragen–und zwar auch weit entfernt vom Klischee der liberalen "alles-geht" Mentalität, das unberechtigterweise noch hie und da über die Niederlande herumspukt. Aufgrund einer sehr unterschiedlichen sozial-politischen Entwicklung könnte man sich hierzulande zum Beispiel nur schwer in das Dilemma hineinversetzen, das entsteht, wenn eine Stadtregierung brutal besetzte Häuser enträumen lässt und sich gleichzeitig ein Alibi durch staatlich geförderte - aber auch reglementierte - "Brutplätze" (in meist ursprünglich besetzten Gebäuden) für allerlei mehr oder weniger progressive "KünstlerInnen" schafft...

Wir hoffen, durch freibesetzt einen engen Erfahrungsaustausch und gegenseitige Inspiration der Betroffenen zu initiieren bzw. zu bestärken; es sollen sich aber auch noch weniger Involvierte von jener — für unseren Geschmack noch zu introvertiert geführte— Diskussion angesprochen fühlen.

Programmschwerpunkte:

1. permanente Ausstellung der Installation A Paper House: ständig expandierende dokumentarische Installation über Freiräume in Rotterdam (dort entstanden 2001 für Ausstellung "Squatters", Witte de With Center for Contemporary Art), Taipeh (Kunstbiennale 2004) und für freibesetzt NEU: Wien. KünstlerInnen: Jeanne van Heeswijk und Rolf Engelen mit Frans Vermeer, Siebe Thissen, innbetween (Christine Schöffler, Peter Blakeney).

29. Juni, 19:00: Housewarming mit den Künstlern, Kraakspreekuur (Besetzungs-Infopunkt) Rotterdam und Vertretern von Wiener Freiräumen.

2. Freiraum/Vrije Ruimte - besetzt, gekauft, verhandelt, gemietet, erkämpft,...?

7. bis 9. Juli, 19:00: Gespräche, Filme und Aktionen zu verschiedenen Strategien in den Niederlanden und Österreich, in der Stadt physische oder strukturelle Freiräume zu schaffen.

Mit: Gruppe Freiraum, Wien; Kollektief De Vrije Ruimte, Amsterdam; EKH, Wien; Tüwi, Wien; Dieter Schrage, Wien; Daniela Swarowsky, Wien-Rotterdam; innbetween/Het Poortgebouw Rotterdam-Wien; igkultur, Wien; Netbase, Wien; WUK, Wien, V.E.K.K.S W.E.G. und anderen

3. Freiräume und kulturelle Produktion

Freiräume sind oft der start-up ort für innovative kulturelle Plattformen, da dort noch ohne grosse bürokratische und kommerzielle Auflagen (also im Selbstausbeutungs-Prinzip) relativ kostengünstig KünstlerInnen aller Qualitäten zu einem Auftritt verholfen und den BesucherInnen niedrige Eintritts-und Barpreisgestaltung gewährleistet werden kann.

Doch wie geht es weiter? Will man/frau mitsamt der Idee überleben, stellt sich heute immer öfter die Frage, ob und wie man/frau mit einer gewissen Etablierung des Projekts umgehen soll, ohne den experimentellen Charakter und die Zugänglichkeit aufzugeben.

12. bis 16. Juli [WUK Foyer]: Fluc im Exil, täglich 18.00 bis 24.00 Uhr Live Programm

Performances [WUK Foyer]: 21.00

Di 12. Juli — Endiche Vis.Sat(LIT),

Do 14. Juli — dy’na:mo (A)

Sa 16. Juli — Coolhaven(NL),

Fr 22 Juli — Tudósok (H)

15.Juli: Podiums(lose) Diskussion, 19.00

Mit: Fluc_im Exil, Worm/NL, Coolhaven/NL, EKH, Tüwi, WUK und anderen.

Während der Öffnungszeiten: Kostnixladen: Geben und Nehmen ohne Gegenleistung. Bringt brauchbare Sachen, die ihr loswerden wollt und holt euch was ihr braucht! www.geldlos.at

>>weitere ständig aktualisierte Termine, Infos und TeilnehmerInnen siehe bitte www.freibesetzt.tk und www.kunsthalle.wuk.at<<

Christine Schöffler ~ Peter Blakeney, 7. Juni 2005

 

 

 

Kunsthalle Exnergasse

Währingerstraße 59, 2. Stiege, erster Stock

1090 Wien

Tel: +43-1-401 21-41 oder +43-1-401 21-42

Fax: +43-1-401 21-67

E-mail: kunsthalle.exnergasse@wuk.at

Web: http://kunsthalle.wuk.at

Öffnungszeiten:

  Dienstag - Freitag: 14:00-19:00

Samstag: 10:00-13:00

 

 

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